Das ist die Ursache der meisten Erkrankungen unserer Gesellschaft
Stille Entzündungen – der unterschätzte Risikofaktor
Diabetes, Alzheimer, Depressionen: chronische stille Entzündungen verbinden sie. Was dahintersteckt und was du selbst tun kannst.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Übergewicht, Alzheimer, Depressionen oder Autoimmunerkrankungen – auf den ersten Blick scheinen diese Erkrankungen wenig gemeinsam zu haben. Doch die Forschung zeigt immer deutlicher: Chronische, sogenannte stille Entzündungen spielen bei vielen dieser Erkrankungen eine zentrale Rolle.
Anders als bei einer akuten Entzündung, etwa durch einen eingewachsenen Nagel, die mit Schmerzen, Fieber oder Schwellungen einhergeht, bleiben stille Entzündungen zunächst oft unbemerkt. Sie verhalten sich nicht wie ein loderndes Feuer, sondern eher wie ein Schwelbrand, der im Hintergrund glimmt – und über Jahre hinweg Gewebe, Blutgefäße und Stoffwechselprozesse stören kann.
Was sind stille Entzündungen?
Eine Entzündung ist grundsätzlich etwas Positives. Sie hilft unserem Körper dabei, Krankheitserreger zu bekämpfen oder Verletzungen zu heilen.
Problematisch wird es, wenn das Immunsystem dauerhaft aktiviert bleibt. Dann befinden sich Entzündungsbotenstoffe ständig auf einem leicht erhöhten Niveau, stören die normalen Körperfunktionen und verbrauchen Nährstoffe und Energie.
Dieses unterschwellige Entzündungsgeschehen wird mit zahlreichen chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht, zum Beispiel:
- Depressionen
- Konzentrations- und Schlafstörungen
- Metabolisches Syndrom
- Adipositas
- Typ-2-Diabetes
- Chronische Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen
- Wiederkehrende Infekte
- Arteriosklerose
- Nicht-alkoholische Fettleber (NAFL)
- Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose
- Neurodegenerative Erkrankungen (Morbus Parkinson)
- Tumorerkrankungen
- Long- und Post-COVID-Syndrom
Was kann stille Entzündungen fördern?
Viele Faktoren unseres modernen Lebensstils können dazu beitragen:
- unausgewogene Ernährung
- Bewegungsmangel
- chronischer Stress
- Schlafmangel
- Übergewicht
- Rauchen
- übermäßiger Alkoholkonsum
- eine gestörte Darmbarriere
- ein Ungleichgewicht der Darmflora
- aufgenommene Schadstoffe wie Schwermetalle oder Mikroplastik
Meist ist es nicht ein einzelner Auslöser, sondern das Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
Warum spielt der Darm dabei eine so wichtige Rolle?
Etwa 70 % unserer Immunzellen befinden sich im Darm. Ist die Darmbarriere gestört oder verändert sich die Zusammensetzung der Darmbakterien, können vermehrt Stoffe in den Körper eindringen, die dort eigentlich nichts zu suchen haben. Das Immunsystem wird dauerhaft alarmiert und setzt weitere entzündliche Prozesse in Gang. Außerdem kann es passieren, dass echte Krankheitserreger oder entartete Zellen nicht mehr richtig erkannt werden oder die Infektanfälligkeit steigt.
Deshalb ist Darmgesundheit weit mehr als nur Verdauung.
Kann man stille Entzündungen messen?
Ein einzelner Blutwert reicht meist nicht aus. Je nach Fragestellung können unter anderem Entzündungsmarker, Stoffwechselparameter oder die Untersuchung des Darms sinnvoll sein. Entscheidend ist jedoch immer die Gesamtsituation – nicht ein isolierter Laborwert.
Es gibt erste Anzeichen, auf die du selbst achten kannst:
- starke Energielosigkeit und Müdigkeit
- wiederkehrende Erkältungen oder Infektionen
- neu auftretende Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Was kannst du selbst tun?
Die gute Nachricht: Viele Einflussfaktoren lassen sich aktiv verändern. Bereits kleine, konsequente Veränderungen können langfristig einen Unterschied machen:
- überwiegend unverarbeitete Lebensmittel
- ausreichend Ballaststoffe
- regelmäßige Bewegung
- erholsamer Schlaf
- Stressreduktion
- Nichtrauchen
- ein gesundes Körpergewicht
- eine bewusste Pflege der Darmgesundheit
Mein Fazit
Viele chronische Erkrankungen entstehen nicht über Nacht. Sie entwickeln sich häufig über Jahre – oft begleitet von stillen Entzündungen, die unbemerkt im Hintergrund ablaufen.
Deshalb lohnt es sich, den Blick nicht nur auf einzelne Symptome zu richten, sondern die Ursachen besser zu verstehen. Denn Gesundheit beginnt dort, wo wir Zusammenhänge erkennen und frühzeitig handeln.
Quellen
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